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Allgemeine Informationen


Klingenberg ist mit ca. 30 ha bewirtschafteten Weinbergen die bekannteste Weinbaugemeinde am Bayerischen Untermain. Mit ca. 23 ha roten Rebsorten außerdem die größte Rotweinstadt des Weinbaugebietes Franken und darüber hinaus in ganz Deutschland bekannt. Die Rebfläche wird von ca. 50 Hobby-, Neben- und Vollerwerbsbetrieben bewirtschaftet. Etwa die Hälfte der 24 ha Terrassenrebfläche am Schlossberg wird von den fünf größten, ortsansässigen Weingütern Baltes, Hofmann-Herkert, Köhlich, Kühn und Stritzinger bewirtschaftet.

Eine bedeutende Rolle spielt in Klingenberg der ökologische Weinbau. Schon sehr früh hat der damalige Betriebsleiter des früheren Weinguts der Stadt Klingenberg a.Main, Kellermeister Willi Stritzinger, (1985 Gründungsmitglied des "Bundesverbandes ökologischer Weinbau Deutschland"), die Notwendigkeit eines radikalen Umdenkens bei der Weinbergsbewirtschaftung erkannt. Heute werden in Klingenberg von mehreren Betrieben rund 11 ha nach anerkannten Öko-Richtlinien bewirtschaftet. Mit einem Ökoanteil von 30% ist Klingenberg damit prozentual die größte Öko-Weinbaugemeinde in Franken.

Weinlagen
Die Weinlage Schlossberg zieht von Röllfeld im Süden bis Erlenbach im Norden an der Westgrenze des Spessarts, rechts des Maines entlang und ist größtenteils nach Südwesten geneigt. Der bestens für den Weinbau geeignete größte Teil des Schlossberges ist mit Trockenmauern aus dem roten Buntsandstein querterrassiert und besitzt eine durchschnittliche Hangneigung von ca. 60%. Extrem steile Weinberge weisen zum Teil ein Hanggefälle bis zu 100% auf.

Einige brach dazwischen liegende Terrassen-Weinberge sind ökologisch wertvolle Biotope und tragen wesentlich zur Vielfalt der einmaligen Weinterrassenlandschaft bei. Um den Artenreichtum zu erhalten, werden diese vom Landschaftspflegeverband Landkreis Miltenberg einmal im Jahr gemulcht. Damit wird einer Verbuschung vorgebeut, die sonst zu einer deutlichen Reduzierung des Artenreichtums führen würde.

Etwa 4 ha am Südzipfel der Weinbergslage Schlossberg, auf der Gemarkung Röllfeld liegend, sind flurbereinigte Direktzugweinberge mit ca. 18% Hangneigung und damit wesentlich weniger aufwändig zu bewirtschaften.

Die Lage Einsiedel liegt im Stadtteil Trennfurt auf der linken Mainseite am Ostrand des bayerischen Odenwaldes. Sie ist mit gut 1 ha Reben bestockt und mit ca. 10% nach Südosten geneigt Sie stellt damit ebenfalls eine Direktzuglage dar.


Bodenbeschaffenheit, Klima und Rebsorten
Der Boden entstand in beiden Lagen in der Erdenzeit des "Trias" mit ca. 100 m mächtigen Ablagerungen aus Buntsandstein. Aus der Verwitterung des mittleren Buntsandsteins und quarzitisch gebundenen Felssandsteins und dem Anflug von Löß entstand dann im Laufe von Millionen Jahren der Boden als Standort unserer Reben.

Das Klima hat in Klingenbergs eine atlantische Tönung: milde Winter, nicht ganz so heiße Sommer und für fränkische Verhältnisse höhere Jahresdurchschnittsniederschläge von 700 mm. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt mit 10° C, ca. 1° C über dem mainfränkischen Mittel. Der Frühling hält hier früher Einzug als in anderen Weinbaugegenden Frankens. Zum speziellen Lageklima (Bestandsklima) ist zu sagen, dass etwa 3/4 der Klingenberger Weinbaufläche sich als klimatisch gut bis erstklassig und 1/4 als normal darstellen. Der Reben-Austrieb erfolgt in den Terrassenlagen durchschnittlich eine Woche früher. Dieser Vorsprung setzt sich über die Blüte bis zur Reife fort. Ein weiteres Indiz liefert auch die Blüte, der aus 40 Mandelbäumen bestehenden Allee am Hohberg am "Fränkischen Rotweinwanderwegs". In milden Wintern öffnen sich hier schon Ende Januar bis Anfang Februar die weiß bis rosa gefärbten Blüten und verbreiten mit ihrem süßlichen Duft den ersten Hauch des herannahenden Frühlings.

Im Zusammenspiel von Bodenverhältnissen, Standortklima und Terrassierung bieten sich die Klingenberger Lagen regelrecht dem Rotweinanbau an. Deshalb sind seit eh und je schwankend zwischen Zweidrittel bis Dreiviertel der Klingenberger Weinbauflächen mit Rotweinreben und der Rest mit Weißweinsorten bepflanzt.

Den Hauptanteil der Rotweinfläche stellen der Spätburgunder mit ca. 10 und der Portugieser mit 9 ha. Die anderen roten Sorten wie Müllerrebe, St. Laurent, Domina, Deckrot, Trollinger (hier Fleischtraube genannt), Dornfelder, Regent (pilzresistente Neuzüchtung) u.a., sind von untergeordneter Bedeutung. Bei den weißen Sorten dominiert der Müller-Thurgau mit 6 ha. Ihm folgen Silvaner, Traminer und Riesling mit ca. 1 ha, sowie zum geringeren Teil auch Faber, Bacchus, Rieslaner, Morio-Muskat und einige alte Sorten wie Gutedel und Muskat-Ottonel. Sie haben eine gewisse Bedeutung, spielen aber wirtschaftlich keine größere Rolle.

Eine Besonderheit ist ein sehenswerter "Museumsweinberg" mit der alten Klingenberger Pfahlerziehung und einem "Gemischten Satz" aus mindestens 20 zum Teil sehr seltenen und teilweise schon fast ausgestorbenen Rebsorten.


Terrassenweinberge
Den sicher größten Anteil am Ruhm und Bekanntheitsgrad des Klingenberger Weinbaues haben unbestritten die vielen, teilweise uralten, landschaftsprägenden Querterrassen. Die ältesten Terrassenweinberge sind wahrscheinlich im 12. Jahrhundert erstellt worden. Hierfür gibt es leider keine Dokumente. Aber die Tatsache, dass der hiesige Weinbau zu einer Zeit erstmals erwähnt wird, zu der in Deutschland die Erschließung der Steilhänge für den Weinbau durch die Terrassierung erfolgte, lässt diesen Schluss zu. Eine 180 km lange und ein Meter hohe Mauer würden die bis heute erbauten Terrassen aneinander gereiht ergeben; immerhin die in Luftlinie gedachte Entfernung von hier bis Nürnberg im Osten oder Trier im Westen. Unbestritten eine Fleißarbeit vieler Klingenberger Winzergenerationen. Seit 1986 unter Denkmalschutz gestellt, darf an der vorhandenen Bausubstanz nur im bisher üblichen Rahmen ge- und verändert werden. Das heißt, es müssen alle notwendigen Reparaturen und Neubauten mit dem am Ort vorkommenden roten Buntsandstein in Trockenbauweise erledigt werden.

Die schmalen Mauer-Querterrassen sind in Deutschland nur noch im geringen Maße vorhanden und stellen damit ein einmaliges, erhaltenswertes Kulturdenkmal dar. Diese Art von Weinbergen lassen aber so gut wie keine, zumindest rentabel einzusetzende, Motorisierung, bzw. Mechanisierung zu. Ein Zugang zu den Terrassen ist ausschließlich über die bis zu 250 unregelmäßige Stufen besitzenden als Treppen ausgebildete Wasserabschlagsrinnen möglich!

Deshalb sind die Terrassenweinberge nur mit aufwändiger, schwerster Handarbeit zu bewirtschaften. Die dafür benötigten 2000 Arbeitsstunden pro Hektar Weinberg und Jahr sind somit, neben der in diesen Weinlagen erzeugten hervorragenden Weinqualität, ein wesentlicher Grund, dass die Klingenberger Terrassenweine im oberen Preissegment der deutschen Weine angesiedelt sind.

Im Vergleich dazu benötigt ein Direktzugwinzer, je nach Technisierungsgrad, nur ein Viertel bis ein Fünftel dieser Arbeitszeit, die zusätzlich noch ohne große körperliche Anstrengung zu erledigen ist.

Gebietsübergreifend, ja europaweit sind z.Zt. Interessengruppen, bestehend aus Terrassenwinzern, Naturschützern, Behörden vom Landschaftsschutz, Denkmalschutz und involvierte Politiker bemüht, das jahrhundertealte kulturelle Erbe für die Nachwelt zu erhalten. Es wird dabei angestrebt die Konkurrenzfähigkeit der qualitativ hochwertigen Weine aus diesen extrem aufwändigen Weinterrassen-Steillagen gegenüber den vollmotorisierten und technisierten Hang- und Flachlagen zu verbessern, bzw. wenigstens zu erhalten. Denn nur so kann die von Menschenhand mit schwerster Handarbeit in Jahrhunderten gestaltete Kulturlandschaft nachhaltig gesichert werden. Wenn man berücksichtigt, dass beinahe ausnahmslos die gesamte Wein- und Tourismuswerbung einschlägiger Verbände mit Zuhilfenahme von Bildern und Impressionen der Steil- und Terrassenlagen erfolgt, dürfte dies auch nicht all zu schwer zu verwirklichen sein.


Vermarktung
Die Vermarktung des edlen Klingenberger Tropfens ist, je nach Betriebsstruktur, sehr verschieden. Einige Nebenerwerbswinzer setzen zum größten Teil ihre Weine auf dem traditionellen und berühmten "Klingenberger Winzerfest", dem Weinevent "Weinkulturtage" und in den am Untermain weit verbreiteten "Häckerwirtschaften" ab. In den Häckerwirtschaften, denen ein besonderes "Flair" anhaftet, dürfen zeitlich begrenzt, meist zwei bis vier Wochen, eigenerzeugte Weine ausgeschenkt werden. Diese Art von Weinausschank hat hier eine besondere Tradition und ist schon im 16. Jahrhundert schriftlich bezeugt. Man führt die Straußwirtschaften, wie sie anderen Orts genannt werden auf Karl den Großen zurück, der verfügte, dass auf seinen vorhandenen Weingütern der Wein direkt an jedermann ausgeschenkt werden darf.

Die ortsansässigen Selbstvermarkter verkaufen ihre, ausschließlich auf Flaschen abgefüllten Weine an Kunden in ganz Deutschland, zum kleinen Teil auch ins europäische Ausland und nach Übersee.

Kleinere Mengen Trauben, Most und Wein werden von Kleinwinzern an ortsansässige aber auch auswärtige Selbstvermarkter und Weinhändler abgegeben.



Klingenberg a.Main
Furtwänglerweg 1 | 63911 Klingenberg a.Main | Tel.: 09372 1330 | stadt@klingenberg.de