Navigation überspringen
Fotovorschau und Logo ausblenden
Quick-Navigator:
Suche:
Sprache Deutsch Deutsch
Impressionen
Q-Navigator
Startseite » Wein & Kultur » Clingenburg Festspiele 

Clingenburg Festspiele


Am 11. August wurde mit der Derniere von Shakespeare in Love die 26. Festspielsaison auf der Clingenburg beendet

Intendant Wolfgang Hofmann hatte in seiner ersten Spielzeit mit der Auswahl der Stücke "ins Schwarze getroffen". Sowohl Eigenproduktionen, wie auch die Gastspiele, kamen beim Publikum hervorragend an. Das von ihm engagierte professionelle Ensemble überzeugte in allen Bereichen und zum zweiten Mal in der Geschichte der Festspiele gab es auch wieder Bühnen-Vorhänge bei zwei Stücken.

Mehr als 28.000 Zuschauer fanden den Weg auf die Clingenburg, um in der einmaligen Atmosphäre dieser Naturbühne Musical, romantische Komödie, Kinder- oder Jugendstück auf höchstem theatralem Niveau zu erleben. Und auch der Wettergott meinte es (meist) gut mit den Akteuren und dem Publikum, keine Vorstellung musste abgebrochen oder gar abgesagt werden.

Bad, bizarre & bloody brilliant so präsentierte sich die Rocky Horror Show von Richard O'Brien. Diese Inszenierung - prall und knallig - hatte es wahrhaftig in sich! Regisseur Dirk Böhling hatte jede einzelne Rolle treffend besetzt, Bühnenbildnerin Esther Bätschmann schuf eine phänomenale Szenerie und entwarf schrille und einzigartige Kostüme. Choreograf Timo Radünz fand für die Songs überraschende Bewegungen, die vom Ensemble hervorragend umgesetzt wurden und den musikalischen Nummern einen zusätzlichen Effekt verliehen. Die Musik - gespielt von einer fünfköpfigen Band unter Leitung von Philipp Tillotson - ist unfassbar stark und die Geschichte schräg. Die stimmgewaltigen Darsteller überzeugten von der ersten Sekunde an und zogen die Zuschauer, teilweise passend zu diesem Kult-Musical gekleidet und geschminkt, in ihren "außerirdischen" Bann, allen voran Denis Fischer als Dr. Frank-N-Furter (lüstern-lasziv und exaltiert) und Lukas Witzel als skurriler RiffRaff (gefährlich-lauernd und unberechenbar). Denis Fischer und Lukas Witzel erhielten für ihre Darstellung den Publikumspreis 2019.
Wegen der großen Nachfrage gab es eine Zusatzvorstellung der Rocky Horror Show. Jede Show wurde zu einem besonderen Erlebnis und das Ensemble frenetisch gefeiert.

Bei Shakespeare in Love nach dem Drehbuch von Marc Norman & Tom Stoppard führte Wolfgang Hofmann Regie. Das Stück spielt im 16. Jahrhundert im strengen, elisabethanischen England, als Frauen hübsch zu sein und den Mund (auf der Bühne) zu halten hatten. Anders Viola de Lesseps (Laura Bleimund), die ihre Liebe zum Theater entdeckt und in eine Männerrolle schlüpfen muss, um ihren Traum, Schauspieler(in) zu sein, zu verwirklichen. Shakespeare in Love erzählt auch die Geschichte, in der Will Shakespeare (Pascal Thomas) ein Stück schreibt, das später weltberühmt werden sollte: Romeo und Julia. Und wie könnte es anders sein: Will und Viola verlieben sich. Wolfgang Hofmann ist eine Inszenierung gelungen, die witzig und temporeich die Zuschauer in einen rundum glücklich machenden Theaterabend versetzt. Er orientiert sich dabei an einer leicht veränderten Bühnenfassung des Films und zaubert ein buntes, dichtes Schauspiel. Das hochkarätige Ensemble ist voller ansteckender Spielfreude und das Stück wie geschaffen für die atmosphärische Umgebung der Clingenburg.

Tschick - die Geschichte zweier Jungs - Tschick und Maik -, die in einem gestohlenen Lada durch die sommerglühende deutsche Provinz fahren. Tschick, Russlanddeutscher aus dem Assi-Hochhaus und Maik, Sohn zerstrittener, neureicher Eltern, die Mutter Alkoholikerin. Regisseur Oliver Pauli hat den Text von Wolfgang Herrndorf geschickt und witzig in Szene gesetzt. Die beiden Hauptdarsteller Sasha Bornemann und Viktor Nilson brillieren in ihren Figuren, genauso wie Stefanie Meisenzahl und Markus Rührer, die in verschiedene Rollen schlüpfen. Auf der Bühne wird es 90 durchgespielte Minuten nicht langweilig, die Zuschauer folgen atemlos den Schauspielern, die die Ruine erklettern und erklimmen und ein ums andere Mal mit ihrer derben, direkten und frechen Sprache das Publikum zum Lachen und Nachdenken und Mitfühlen bringen. Dieses Stück war bestens geeignet, Jugendliche ab 12 Jahren für eine kurze Zeit aus dem virtuellen Zeitalter zu holen.

Feuerrote zerzauste Haare, Trommelbauch und blaue Punkte im Gesicht, das ist das Sams, das insgesamt 17 Mal ausgelassen, unberechenbar und wild auf der Clingenburge tobte und nicht nur kleine Zuschauer begeisterte. Alexandra Kurzeja ist in dieser Rolle nicht zu bremsen und sprüht von der ersten bis zur letzten Szene vor Witz und Energie. Das Sams stellt das Leben des spießigen Herrn Taschenbier (Wolfgang Erkwoh) auf den Kopf, erfüllt Wünsche und nach einer Woche weiß Herr Taschenbier, es darf auch mal etwas wild und laut sein und auch ein bisschen Direktheit im Umgang mit anderen schadet nicht. Regisseur Wolfgang Hofmann hatte alle Rollen treffend besetzt, alle Akteure spielten sich mühelos in die Herzen der kleinen und großen Zuschauer.

Auch die ausgewählten Gastspiele The Beatles Revival Band und echoes - barefoot to the moon, an Acoustic Tribute To Pink Floyd waren absolute "Volltreffer". Bei echoes war die Kartennachfrage so groß, dass eine Zusatzvorstellung ins Programm genommen wurde.

Nach der letzten Vorstellung wurde eine Spende von 7.000 € an den Vorsitzenden der Hirschfeld-Eddy-Stiftung, Alex Hochrein, überreicht. Lukas Witzel (RiffRaff) hatte den Spendenaufruf initiiert. Die Schauspieler hatten zunächst auf ihre Premierengeschenke verzichtet, dann entstand die Idee, die Spendenaktion weiterzuführen und die Zuschauer nach den Vorstellungen um eine milde Gabe zu bitten. Die Stiftung leistet durch internationale Vernetzung Hilfe für Schwule, Lesben und Transgender, die in manchen Ländern von der Todesstrafe bedroht sind.

Mit dieser guten Tat endete jedoch nicht nur die 26. Festspiel-Saison, sondern leider auch die gesamte Ära der Festspiele.

Den Clingenburg Festspielen war es gelungen, in den 26 Jahren Spielzeit fast eine Million Menschen nach Klingenberg zu holen. Der Enthusiasmus und das unermüdliche Engagement der ehrenamtlich tätigen Vorstände, Beiräte und Helfer ermöglichte es, die Festspiele über diesen langen Zeitraum am Leben zu halten.







Klingenberg a.Main
Wilhelmstraße 12 | 63911 Klingenberg a.Main | Tel.: 09372 1330 | stadt@klingenberg.de
  OK  
Cookies ermöglichen eine bestmögliche Bereitstellung unserer Dienste. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung